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Jan 1, 2007

„40 Konzerte pro Saison sind ausreichend“

„40 Konzerte pro Saison sind ausreichend“

Zu Gast beim Musikfest Bremen: Pianist Rafal Blechacz braucht Zeit, um seine Programme vorzubereiten

Der Pianist Rafal Blechacz gewann vor sieben Jahren den 15. Chopin-Wettbewerb. Inzwischen konzertiert der 28-jährige Pole weltweit. Am 10. September wird er beim Musikfest unter anderem mit Werken von Fréderic Chopin und Johann Sebastian Bach sein Bremer Debüt geben. Mit Rafal Blechacz sprach Dagmar Zurek.

- Man nennt Sie den „Giganten unter den Pianisten“ unserer Zeit. Freut Sie so etwas, oder setzen Sie solche Lobeshymnen unter Druck?

Rafal Blechacz: Ich denke darüber nicht nach, was man so über mich schreibt oder als was man mich bezeichnet. Wichtig ist allenfalls, wie das Publikum meine Interpretationen aufnimmt und wie nahe ich ihm die Gedankenwelt der jeweiligen Komponisten vermitteln kann.

- Man attestiert Ihnen einen „Luxus der Selbstbeschränkung“, da Sie nicht mehr als 40 Konzerte im Jahr geben. Kann man sich als Pianist so etwas heute noch leisten angesichts des immer schwieriger werdenden Musikmarktes und der großen Konkurrenz?

Meiner Meinung nach sind 40 Konzerte ausreichend für eine Saison, damit ich meinen eigenen Ansprüchen genügen kann. Ich brauche einfach Zeit, um meine Programme vorzubereiten. Außerdem habe ich auch noch ein Privatleben.

- Als Gewinner des Chopin-Wettbewerbs wurden Sie gleichzeitig ausgezeichnet für die beste Mazurka und die beste Polonaise. Auch beim Musikfest werden Sie Chopins Mazurkas op.63 und die Polonaisen op.40 spielen. Hat sich Ihre Herangehensweise an diese Genres in den letzten Jahren verändert?

Natürlich ist mein Zugang zu diesen Werken inzwischen ein anderer. Alleine schon, weil ich in den letzten Jahren viel mehr Konzerterfahrung dazugewinnen konnte. Wenn ich entscheide, dass gewisse Phrasen einer Mazurka oder einer Polonaise anders klingen sollten als sonst, hängt das allerdings auch von Elementen ab wie der Akustik des Saales, der Atmosphäre im Publikum oder dem Zustand des jeweiligen Instruments.

- Ist Werktreue in jedem Falle wichtiger als die Intuition des Augenblicks?

Immer sollte der Komponist im Mittelpunkt stehen. Ich respektiere alle Intentionen eines Komponisten, weil ich denke, nur so kann der Zugang zu einer authentischen Interpretation erfolgen. Genauso wichtig ist die Intuition des Moments – die ermöglicht es mir noch während des Konzerts, meine Interpretation zu ändern, meine ganz spezielle Sicht auf ein Stück zu entwickeln. Dabei ist es schwierig, aber möglich, eine Verbindung zu schaffen zwischen dem Personalstil der Komponisten und dem des Pianisten. Dieses Phänomen ist genauso schwierig zu begründen wie das Rubato speziell bei Chopin. Oder die ewige, schwierige Frage, ob man Chopin eher klassisch oder eher romantisch angehen sollte.

- Auch Bachs Partita Nr.3 steht in Bremen auf Ihrem Programm. Es gibt Pianisten, die sich mit 30 für zu jung hielten, um Bach interpretieren zu können. Muss man alt und fromm sein, um Bach authentisch spielen zu können?

Die Orgelmusik Bachs war meine erste Berührung mit Musik. Ich nutzte damals als Kind jede Gelegenheit, in der Kirche Bach zu spielen, denn die polyphonischen Strukturen seiner Musik waren für mich sehr aufregende Erfahrungen. Das ist auch heute noch so. Wenn ich zu Hause bin in Polen, gehe ich immer wieder in unsere Kirche an die Orgel, spiele Bach oder auch gerne mal César Franck. Als ich mit elf die ersten kleinen Wettbewerbe in Polen gewann, merkte ich allerdings, dass das Klavier das geeignetere Instrument sein würde. Ich liebe Bach und spiele ihn oft in meinen Konzerten, ob in Europa oder in Amerika. Meist am Anfang. Ich denke, Bach ist immer am besten dazu geeignet, ein Konzert zu eröffnen.

- Herr Blechacz, Sie spielen Klavier seit Ihrem 5. Lebensjahr. Gab es für Sie eigentlich eine Kindheit und Jugend abseits des Übens? Habe Sie als Kind zum Beispiel Fußball gespielt?

Ich war nie besonders darauf erpicht, Fußball zu spielen als Kind, aber es machte mir Spaß, Rad zu fahren und zu joggen. Auch vor dem Chopin-Wettbewerb bin ich unheimlich viel gelaufen – ich wollte einfach meine physische Ausdauer für den Wettbewerb trainieren. Denn ich wusste ja, dass der sehr, sehr anstrengend sein würde. Auch bei langen Konzertreisen ist eine gute Kondition schon von Vorteil.

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