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Mar 29, 2012

Recital review by Luxemburger Wort (Luxembourg)


Review of Rafał Blechacz's recital @Luxembourg Philharmonie, March 21, 2102
by Johannes Schmidt,  Luxemburger Wort, March 23

A gifted interpreter of Chopin
Pianist Rafał Blechacz with a wide-range of program













Ein begnadeter Chopin-Interpret
Pianist Rafał Blechacz mit einem breit gefächerten Programm

Von Johannes Schmidt

Der junge Pole, dem sein spektakulärer Erfolg beim Warschauer Chopin-Wettbewerb 2005 aller Voraussicht nach eine große Saal der Philharmonie schien jedenfalls ausverkauft – gehört sicher nicht zu der mit Leistungssportlern vergleichbaren Spezies der Pianisten, die ihr Vitruosentum auf dem Präsentierteller vor sich hertragen.  Im Gegenteil: „Ganz nah am Komponisten!“ So lautet fast unisono das Lob der Kritiker für seine interpretationen.

Und doch ist man geneigt, sein Luxemburger Konzert, was Programm und Ausführung angeht, in Pflicht vor der Pause und Kür nach der Pause zu splitten.

Rafał Blechacz ist dabei, sein Repertoire nach fast allen Stilrichtungen auszuweiten.  Sympathisch, dass er sich dabei auch um weniger häufig gespielte Stücke bemüht.  Also nicht die 1. Oder 2., sondern die 3.  Partita von Johann Sebastian Bach und nicht die Pathétique oder Mondscheinsonate, sondern die durchaus gewichtige D-Dur Sonate op.10 von Beethoven.  Und sein Zugriff auf diese Werke ist respektabel: In der Partita überzeugt vor allem die Allemande, in der er sich für Bachs Verzierungskunst Zeit lässt, aber auch den Spielfluss nicht vernachlässigt und die Wiederholungen dynamisch absetzt.  In der Sarabande bringt er Bachs Arbeit mit dem Eingangsmotiv gebührend zur Geltung, während die Gigue so hurtig abschnurrt, dass die Polyphonie des Satzes etwas zu kurz kommt.

Erstaunliche Balance
Dass Blechacz das Eingangspresto der Beethovensonate auch im Prestissimo schafft, ist ein Beweis für seine enorme Technik.  Im Largo überzeugt er aber durch eine für sein Alter erstaunliche Balance zwischen analytischer Durchdringung und Ausdrucksstärke.  Dabei klingt das Instrument auch bei vollem Ausspielen der großen dynamischen Spanne nie hart.  Im Rondo, das quasi improvisatorisch aus den ersten drei Anschlägen entwickelt ist, hätten ab und zu deutlichere Ruhepunkte die Aufmerksamkeit für Beethovens überraschende Volten erhöht.

Mit Frederic Chopins 1. Ballade begann dann die Kür. Hier ist Rafał Blechacz gleichzeitig ganz nah beim Komponisten und bei sich.  Wann hat man das Unisono der Einleitung jemals so genau nach dem Notentext (Pausen!) und schmerzerfüllt gehört?  Das der Gattung Ballade eigentümliche Nebeneinander von Epik, Dramatik und Lyrik beherrschte den gesamten Verlauf von Anfang bis Ende.  Auch in den beiden Polonäsen op.26 zeigt sich Blechacz als großartiger Mittler Chopins.  Stupend, mit welch unterschiedlichen Farben er in op.26, 2 die beiden marschartigen Nebengedanken vom düsteren Hauptthema abhebt.

Für die 1. Klaviersonate seines Landsmannes Karol Szymanowski erklimmt er souverän den Gipfel klavieristischer Möglichkeiten.  Szymanowski muss ebenfalls ein toller Pianist gewesen sein, und er lässt in diesem Jugendwerk, das wie Beethovens Hammerklaviersonate und Liszts h-Moll Sonate mit einer Fuge abschließt, beträchtlichen kompositorischen Ehrgeiz erkennen.  Unübersehbar bleibt aber ein gewisses Missverhältnis zwischen Aufwand der Mittel und Ausdruck.  Und so war man ganz froh, dass Blechacz in seinen Zugaben wieder zu Chopin zurückkehrte. 


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